PDF Drucken

Kopfschmerzen und Migräne

Biofeedback hat sich als ein wesentlicher und wirkungsvoller Baustein in der Behandlung chronischer Schmerzen erwiesen. Dabei wurde in den letzten Jahren auch ein Biofeedback-Training speziell für Migräne-Patienten entwickelt: das sogenannte Vasokonstriktionstraining (VKT). Das Vasokonstriktionstraining setzt gezielt an den pathophysiologischen Vorgängen während eines Migräneanfalls an. Darüber hinaus wird das VKT in Kombination mit einem Entspannungsverfahren kombiniert, was die Effektivität noch steigert. Aus diesem Grunde wird das Biofeedback von der Deutschen Kopfschmerz- und Migränegesellschaft als effektivste nicht-medikamentöse Kopfschmerzbehandlung bezeichnet.

In der modernen Migräne-Forschung sind zwei Theorien vorherrschend: Die Drei-Phasen-Theorie (Wolff) und das neurogene Modell (Göbel). Beide Theorien haben eine für die Biofeedbackbehandlung relvante, gemeinsame Grundlage:



Zur Entwicklung einer Migräne ist eine eine entsprechende Veranlagung notwendig. Ob diese genetisch oder lerngeschichtlich bedingt ist, ist umstritten. Fest steht, daß die Veranlagung zur Migräne durch eine Instabilität der Blutgefäßregulation und eine erhöhte Sensibilität für aversive Umweltreize (Steß im weitesten Sinne) gekennzeichnet ist. Ausgelöst werden Migräneattacken durch spezifische Triggerfaktoren. Diese Faktoren sind sehr vielfältig und z.T. aus der individuellen Geschichte des Betreffenden erklärbar. Häufige Trigger sind z.B. Hormonumstellung (Menstruation), Schlafmangel, best. Nahrungsmittel, Alkohol, hoher Leistungsanspruch, partnerschaftliche oder familiäre Probleme, Hektik und Streß. Diese Trigger können die Gefäßregulation im Kopfbereich zur Entgleisung bringen: Zunächst verengen sich die Blutgefäße (Vasokonstriktion) um sich dann plötzlich und exzessiv zu erweitern (Vasodilatation). Die Vasodilatation ist begleitet von Entzündungsprozessen und einer Sensibilisierung der Schmerzrezeptoren in den Gefäßwänden (vgl. obige Abbildung).

 

Das Vasokonstriktionstraining

Auf die Bewältigung eines akuten Migräneanfalls zielt das Vasokonstriktionstraining. Geübt wird dabei die willentliche Verengung der Temporalisarterie. Wenn später ein erstes Anzeichen eines Migräneanfalls wahrgenommen wird, können diese Übungen zur Gefäßverengung eingesetzt werden und verhindern, daß es zur Kollabierung der Blutgefäße im Gehirn kommt. Das Vasokonstriktionstraining setzt also genau dort an, wo der Schmerz entsteht. Das erklärt seine sehr gute Wirksamkeit.

Die folgenden Abbildungen zeigen Bildschirmbeispiele einer Migräne-Behandlung:

 

vkt-1

Der Patient übt Strategien zur Verengung der Gefäße ein. In obiger Grafik ist gut erkennbar, wie sich zunächst in den Übungspausen, nach konzentrativer Anstrengung, die Gefäße erweitern, wie sie aber im Übungsverlauf konstant enger bleiben. So kann einem Migräneanfall entgegen gearbeitet werden.

 

vkt-2

Diese Grafik zeigt eine Animation, die den Patienten darin unterstützen kann, eigene Strategien zur Gefäßverengung zu finden und einzuüben.